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Fachinformationen

Für fachliche Informationen und wissenschaftliche Aktivitäten können Sie sich unter dieser Rubrik informieren.

Längst ist sich die herrschende Lehre darüber einig, dass eine Verzahnung verschiedener Fachdisziplinen erfolgversprechendere Ergebnisse bei der Untersuchung von Fällen hervorbringt. Das interdisziplinäre Zusammenwirken legt Bausteine für ein ganzheitliches Denken und ist von besonderer Bedeutung bei der Erstellung von Fallanalysen. Der Vorteil multidisziplinärer Teams ist nicht zu übersehen. Doch wem obliegt eigentlich die Erstellung von Fallanalysen? Die folgenden Fundstellen sollen hierbei Klärung schaffen.

Wer darf Fallanalysen fertigen?

„Der Sachverständige muss die erforderliche Eignung besitzen, d.h. er muss auf dem Fachgebiet, für das er benannt worden ist, sachkundig sein. […] Ein Landeskriminalamt oder das Bundeskriminalamt dürfte danach für die gerichtliche Verwertbarkeit der von ihm erstellten Fallanalysen keinen zusätzlichen Sachkundenachweis antreten müssen. Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Fallanalysen nicht auch einer methodenkritischen Überprüfung standhalten müssen.

Es ist aber auch vorstellbar, dass nicht der Polizei angehörende Personen, so z.B. Angehörige wissenschaftlicher Institute der in Betracht kommenden Fachrichtungen Psychologie, Soziologie, oder Psychiater Sexualwissenschaftler und Gerichtsmediziner, sei es als Angehöriger einer Behörde, sei es in privater Verantwortung, Fallanalysen fertigen.“ (Quelle: M. Bruns: Die Bedeutung der operativen Fallanalyse im Strafprozess. In: Musolff, Cornelia/Hoffmann, Jens (Hg.): Täterprofile bei Gewaltverbrechen. Mythos, Theorie und Praxis des Profilings. Berlin, Heidelberg 2002, S. 281-301.)

Aufgrund der Komplexität der Thematik und der Anforderungen wird in aller Regel eklektizistisch vorgegangen. Das heißt schlicht, dass alle Ansätze, Theorien und Modelle herangezogen werden, die für die praktische Arbeit erfolgversprechend sind – egal aus welchem Fachgebiet sie stammen. Dabei greifen die Experten vor allem auf die Disziplinen der Kriminalistik, Kriminologie, Psychologie, Psychiatrie und Soziologie zurück.

Zu den Verfahrensweisen, die heute vermehrt mit einfließen, gehören z.B. umfangreiche sozialwissenschaftliche Methoden (hier v.a. qualitative und quantitative Analyseverfahren), Kenntnisse aus der Soziologie, Rechtsmedizin, Psychologie, Psychiatrie, Kriminologie, Kriminalistik und den Naturwissenschaften. Da gegenwärtig die einzelnen Institute national und international einen regen Austausch pflegen, bemüht man sich zunehmend um Transparenz und Vermittelbarkeit der Ansätze. Die Kooperation hat außerdem den Vorteil, dass nicht alles neu gedacht und entwickelt werden muss und dass Länder mit geringen Bevölkerungszahlen, in denen beispielsweise Tötungsdelikte nur selten auftreten, von den Erfahrungen und dem Methodenrepertoire anderer Staaten profitieren. (Quelle: J. Hoffmann & C. Musolff, Fallanalyse und Täterprofile, BKA Forschungsreihe nr 52)

Auch Danner (2000) verweist auf die interdisziplinäre Fallbearbeitung:

"Dabei lassen sich in den letzten Jahren mehrere Entwicklungen erkennen. Zum einen werden in den fast ausschließlich von Kriminalisten besetzten fallanalytischen Teams zunehmend je nach Anforderung des Einzelfalls noch weitere Fachdisziplinen hinzugezogen, wie beispielsweise Psychiater, Psychologen oder Rechtsmediziner." (Quelle: Danner K (2000) OFA – Die neue Wunderwaffe? Kriminalpolizei, 4 (Dezember): 126 – 130.)